Nordbayern – Nerd – Navigation
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Ich fahre nicht nur sehr gerne Motorrad, ich bin auch ein Technikfreak. Manche würden es “Nerd” nennen, ich halte “Early-Adopter” für angebrachter 😉

Die heutigen technischen Möglichkeiten passen nicht immer stilgerecht zu meiner klassisch gehaltenen Bonneville. Ein Navigationsgerät will ich mir auf gar keinen Fall an das Motorrad bauen. Für größere Touren und unbekannte Gebiete ist es aber dennoch sehr praktisch, sich durch elektronische Helferlein unter die Arme greifen zu lassen. Es musste also für meine Tour zum Thruxton-Forumstreffen nach Nordbayern eine mobile, möglichst unsichtbare Lösung her.

Ich besitze schon seit längerer Zeit mobile Telefone mit Navigationslösung. Früher war die kostenfreie Navi-Lösung von Nokia eine feine Sache, die ich auch auf der Bonnie getestet hatte. Dazu habe ich mir nach einiger Recherche die Bluetooth-Kopfhörerlösung BH-103 von Nokia besorgt. Die In-Ear-Kopfhörer sind zwar etwas schwierig “einzuführen”, halten auch nicht immer sofort und rutschen auch schon mal während der Fahrt aus dem Ohr, für die paar Male, wo ich die Kopfhörer aber bisher gebraucht habe, hat es durchaus gereicht.

Vor geraumer Zeit wurde dann das Nokia N82 durch das iPhone 4 ersetzt. Das iPhone arbeitet ebenfalls problemlos mit dem BH-103 zusammen. Navigationslösungen habe ich diverse ausprobiert (Skobbler, TomTom) und bin beim Navigon in der kostenlosen “select Telekom Edition” hängen geblieben. Vorteil dieser Software ist, dass es einen Motorrad-Modus bietet und in den Routenoptionen neben “optimal”, “schnell” und “kurz” auch “schön” auflistet. Das DACH-Kartenmaterial reicht mir völlig aus.

Der erste große Test sollte nun also am vergangenen Himmelfahrtswochenende stattfinden. Ich baute noch behelfsmäßig eine Bordsteckdose an die Bonneville und testete kurz, ob Navigon nicht zu akkufressend sein würde. Es zeigten sich aber keine Probleme und der Akku des Bluetooth-Kopfhörers würde ohnehin lange genug halten.

Der Navigator

Der Navigator


Wir trafen uns also mit 8 Triumph-Twin-Fahrern kurz hinter Hamburg und wie ich vorher bereits vermutet hatte, war ich der einzige, der sich bereit erklärte vorweg zu fahren und eine Navigationslösung zu bieten hatte. Die wenigen Eckpunkte der Anfahrt nach Franken über Braunlage und den Rennsteig in Thüringen hatte ich vorher eingegeben, so dass ich nach wenigen Minuten bereit war. Die Option “schön” war jetzt noch nicht wichtig, schließlich lagen noch gut 500 km vor uns. Das iPhone verstaute ich, an die Bordsteckdose angestöpselt, im Kartenfach des Tankrucksacks. So konnte ich bei zweifelhaften Ansagen noch einen kurzen Blick nach unten auf die Karte werfen, was sich in einigen Situationen als praktisch erweisen sollte.

Die ersten 150-200 km stellten kein Problem dar, da es über Lüneburg und die B4 bis nach Braunschweig ging. Wer die Strecke kennt, weiß zu berichten, dass die kürzeste Verbindung immer noch eine Gerade ist. Auf ca. 100 km gibt es genau einen Kreisverkehr, mehr Schräglage gab es nur durch den böigen Seitenwind. Im weiteren Verlauf wurde ich durch das Einflüstern der von mir liebevoll “Ludmilla” getauften Dame zielsicher zu den gemeinsamen Treffpunkten geführt. Probleme, wie das Auffinden der nächsten Tankstelle auf der Route, erledigte Navigon zuverlässig.

Am zweiten Tag wollte ich einfach nur hinterher fahren 😉 Begeistert hat mich dann die iPhone-Navigon-Lösung am dritten Tag, bei der wir eine Tour zu zweit geplant hatten. Wir wussten nur, dass wir durch ein bestimmtes Tal im Thüringer Wald wollten und gaben den Ort, der am Ende des Tals lag, als Zielort ein. Auf einer ordinären Landkarte aus Papier suchten wir uns noch zwei Punkte als Wegmarken heraus, die wir ebenfalls dem Navigon nur durch den Ortsnamen vorgaben. Für uns norddeutsche Flachländer sind wohl die meisten der Strassen in Franken und Thüringen als schön zu bezeichnen, diese Tour hat uns aber wirklich begeistert und der Modus “schöne Strecke” wurde mehr als befriedigend umgesetzt.

Ein kleiner Kritikpunkt blieb: zweimal an diesem Wochenende wurde Ludmilla richtig heiß und zwang das iPhone in eine Art “Notbetrieb”. Das lag aber nicht allein an der scharfen Ludmilla sondern vielmehr an der zunehmenden Sonneneinstrahlung, die dem Apple-Gerät, sofern man es einfach im Tankrucksack liegen lässt, stark zusetzte. Nur in wenigen Ausnahmesituationen kamen wir vom Weg ab (wer kann die 400 Meter bis zur nächsten Ausfahrt auch immer richtig einschätzen) und meine zunächst belächelte Navi-Lösung wurde hinterher von den Mitfahrern mit viel Lob bedacht.

PS: Der bebilderte Bericht zum Forumstreffen folgt.
PPS: Ich verwende oben das erste Mal einen Affiliate-Link zu Amazon. Ich will hier kein Geld verdienen, wenn ihr aber überlegen solltet, das ein oder andere Produkt, über das ich hier schreibe, ohnehin zu erwerben, dürft ihr das auch gerne über diesen Link machen 😉