Irland – Rückführung
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Der letzte Beitrag hier im Blog befasste sich mit der Überführung der Bonneville nach Irland. In diesem Jahr ging es für uns leider schon wieder zurück. Das Schuljahr der Kinder war beendet und auch die beruflichen Perspektiven machten eine Rückkehr notwendig. Das irische Wetter ließ es dann doch nicht allzu oft zu, dass ich mit der Bonnie die Gegend erkunden konnte. Ein paar kurze Touren rund um Dublin sind es geworden, bis zum Wild Atlantic Way, der längsten ausgewiesenen Küstenroute der Welt, hat es leider nicht gereicht. Das werde ich aber auf jeden Fall noch mal in Angriff nehmen, Teile davon konnten wir nämlich mit dem Auto schon erkunden und das machte definitiv Lust auf mehr!



Nun ging es also noch vor dem eigentlichen Umzug an die Rückführung der Bonnie. Ich wählte diesmal eine andere Route als auf dem Hinweg, man braucht ja schließlich ein wenig Abwechslung und ein Teilstück durch Schottland zu fahren reizte mich sehr. Ich fuhr also an einem Samstagnachmittag von Dublin an Belfast vorbei Richtung Norden zum kleinen nordirischen Fährhafen Larne. Nach einer ausgiebigen Tour im irischen Regen nächtigte ich in einer sehr kleinen Pension bei einer älteren Dame, die alle Motorräder gerne in ihrem abgeschlossenen Hof parken lässt. Sehr nett!

Nach einem tollen englischen Frühstück ging es frühmorgens dann auf die Fähre Richtung Schottland. Es waren nicht wenige Motorradfahrer unterwegs, da, wie ich lernte, am Wochenende das North West 200 stattfand. Die Überfahrt über die irische See dauerte nur zwei Stunden und das Wetter versprach für den Rest des Tages viel Gutes.

Auf der schottischen Seite sollte es nun relativ gemächlich über ca. 320 Kilometer Richtung Newcastle gehen. Ich wählte kleine bis kleinste Strassen durch tolle Landschaft und hatte richtig Spaß auf der Tour. Das Wetter spielte mit und ich genieß die Fahrt vorbei an Seen, Wäldern und Schafen.


Ich war total zufrieden mit der Strecke und dem Tag. Die kleinen Straßen und schönen Kehren entspannten mich total, vielleicht ein bisschen zu sehr. Beim Einlenken in eine der Kurven bemerkte ich am Wegesrand einen tiefen Matschstreifen, dachte noch kurz “fahr da bloß nicht rein” und fand mich dann liegend auf dem grünen Seitenstreifen am Kurvenausgang wieder. Man sagt ja immer, man fährt dorthin, wo man hinsieht. Offensichtlich habe ich wohl zu sehr auf diesen matschigen Seitenstreifen gestarrt. Nun denn, ich war schon sehr langsam, als ich auf’s Grün geriet, so dass die Bonneville letztlich fast nur umgekippt ist. Mir war nichts passiert und der Bonnie auch nicht soooo viel. Das lag zum Glück auch daran, dass die Leitpfosten offensichtlich schon jemand vor mir umgeschossen hatte.

Der Lenker war verzogen, Spiegel, Scheinwerfer- und Blinker-Einheit hatten das meiste abbekommen und eine hässliche Delle im Tank zeugten von der Kaltverformung. Ich konnte das Motorrad alleine wieder aufrichten, der Motor sprang fast sofort wieder an, so dass ich nach kurzem Check und Schütteln weiter fahren konnte. Die restlichen 70 km kürzte ich nun ein wenig ab und kam pünktlich am späten Nachmittag an der Fähre in Newcastle an. Ich demontierte noch kurz den allzu lockeren linken Spiegel und verzurrte die Bonnie für die Überfahrt. Dann suchte ich die Bar auf und gönnte mir auf das Abenteuer noch das ein oder andere Kaltgetränk.

Am nächsten Morgen legten wir in Amsterdam an und wie schon auf der Hintour stand nun noch die längste Teilstrecke vor mir, die ich über Schnellstraßen und Autobahnen hinter mich bringen wollte, auch weil der berufliche Stress schon wieder durch den Fernsprechapparat drohte. Das Fehlen des linken Spiegels machte mir auf der Autobahn bei den Überholmanövern doch ein wenig zu schaffen. In Holland war das noch relativ ok, da man dort bei Geschwindigkeitsbeschränkung von 130 km/h noch einigermaßen einschätzen kann, was der nachfolgende Verkehr macht. Aber schon kurz nach der Grenze zu Deutschland wurde es teils abenteuerlich. Meine Reisegeschwindigkeit liegt auf der Bahn bei ca. 140 km/h, also kommen von hinten Fahrzeuge angeflogen die bis zu 100 km/h schneller fahren. Da reicht dann auch der reine Schulterblick nicht mehr.

Die Schäden sind bis auf die Delle im Tank vollständig behoben, der stressige Rückumzug hinter uns gebracht und das Fernweh zurück zur grünen Insel kann durch den örtlichen Pub nur unzureichend kompensiert werden. In diesem Sinne: Slàinte mhath!