Bonneville am Morgen
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Aufwachen, die Vorhersagen scheinen zu stimmen, blauer Himmel! Unter die Dusche und Anziehen, Jeans und ein leichtes T-Shirt reichen, gut ein längeres noch drüber, es ist noch frisch draussen.

Stiefel und Lederjacke an, Tuch bis zur Nase hochziehen, Davida auf und die Bonnie befreien. Zu lange hat sie schon auf mich warten müssen und ich auf sie. Choke und dann anlassen. Herrlich blubbert der Twin vor sich hin. Handschuhe an und die Aviator-Brille aufgesetzt, ersten Gang und langsam aus dem Wohngebiet raus. Wo fahre ich lang? Egal, ist nicht wichtig. Aus dem Ort raus und den Sound der Auspuffanlange beim Beschleunigen geniessen. Der Windzug ist noch herrlich kühl im Gesicht. Es riecht nach Gras, manchmal noch ein bißchen nach Regen und nach Wald. Ich geniesse.

Die ersten Kurven noch leicht verhalten, doch die Bonnie und ich haben uns schnell wieder aneinander gewöhnt. Die Fahrt wird ein wenig schneller, die Sonne scheint und niemand stört uns. Die spärlichen Kurven machen Spaß und werden zelebriert, Wiesen, Wälder und ab und an mal ein kleines malerisches Dorf. Düfte, Fahrtwind und herrliche musikalische Untermalung durch die Bonnie. Ich denke an nichts, nicht an die nächsten Termine, nicht an den Job, nicht an die Familie, nicht an den nächsten Urlaub. Ich geniesse.

Ein Bahnübergang, ein kurzer Stopp. Brille hoch auf den Helm schieben, das Tuch vom Gesicht, es wird wärmer. Der Zug fährt vorbei, wer sitzt drin? Mir egal, ist nicht wichtig. Die Schranken öffnen sich und wir dürfen endlich weiter. Wieder Wald, Wiesen, frisch gemähtes Gras, der Fahrtwind im Gesicht. Ich geniesse.

Die nächste Ortschaft, Ampeln, Abbiegen, ab und an mal ein Kreisverkehr. Ich schwimme mit und lasse mich nicht hetzen. Letztes Abbiegen, die Hofeinfahrt zwischen begrenzenden Häusern verstärkt die Geräuschkulisse der Bonnie und entlockt mir ein zufriedenes Grinsen. Entspannt stelle ich die Bonnie ab, klemme Helm und Handschuhe unter den Arm. Ein letzter Blick zurück

… dann öffne ich die Bürotür.